Magnetismus A - Z

Weißsche Bezirke (Domänen)

Weißsche Bezirke sind Bereiche innerhalb eines ferromagnetischen Materials, in denen die Elektronenspins, die Elementarmagnete der Materie, parallel ausgerichtet sind. Es ist möglich, in Experimenten diese Bereiche zu untersuchen und ihre Existenz zu beweisen. Wird das ferromagnetische Material (z.B. Eisen) magnetisiert, so verschmelzen verschiedene Weißsche Bezirke und die Elementarmagnete richten sich alle parallel aus. Dadurch sind dann von außen magnetische Kräfte messbar. Benannt sind die Weißschen Bezirke nach dem Physiker Pierre-Ernest Weiss.
Elektronenspins, welche die elementaren magnetischen Bausteine der Materie bilden, sind in ferromagnetischen Festkörpern auch im entmagnetisierten Zustand (also wenn das Material nicht magnetisch ist) teilweise untereinander parallel ausgerichtet und nicht völlig willkürlich verteilt.
So finden sich in ferromagnetischen Materialien grundsätzlich Bereiche von einigen zehntel Millimetern Größe, in denen die Elektronenspins untereinander parallel ausgerichtet sind. Man nennt diese Bereiche Weißsche Bezirke (nach dem Physiker Pierre-Ernest Weiss) bzw. Domänen. Durch ein äußeres Magnetfeld verschmelzen viele kleine Domänen zu größeren Domänen und die Magnetisierung des Festkörpers wird nach außen hin messbar. Parallel ausgerichtete Elektronenspins sind nämlich für das messbare makroskopische Magnetfeld verantwortlich.
Je nachdem, wie stark die Magnetisierung des Ferromagneten ist, sind die Spins aber auch nie alle parallel, sondern meist nur in Gruppen untereinander parallel angeordnet, während zwischen verschiedenen Gruppen von Spins die Ausrichtung nicht parallel ist.
Der Bereich in einem Ferromagneten, in dem die Spins parallel ausgerichtet sind, wird als ein Weißscher Bezirk oder als eine Domänen bezeichnet. Die Domänen sind untereinander durch sogenannte Bloch-Wände abgetrennt.
Das Phänomen der Weißschen Bezirke kann in einem makroskopischen Modell illustriert werden. Dazu betrachtet man ein Set von Kompassnadeln, die drehbar auf einer Platte gelagert sind. Wenn sich die Kompassnadeln nahe genug sind, so dass es zu einer gegenseitigen Beeinflussung durch das magnetische Feld der benachbarten Nadeln kommt, dann stellt sich ein Zustand ein, in dem sich die Kompassnadeln in bestimmten Bereichen parallel ausrichten. Das Feld einer Kompaßnadel richtet die anderen Kompaßnadel aus.
Es passiert jedoch höchst selten, dass sich wirklich alle Kompaßnadeln parallel ausrichten. Meist gibt es eine Bereichsgrenze, hinter welcher eine abweichend ausgerichtete Gruppe zu finden ist, wie es in folgender Abbildung gezeigt ist.
Weißsche Bezirke sind Bereiche in einem Festkörper, in dem die magnetischen Momente der vorhandenen Elektronenspins (durch Pfeile angedeutet) untereinander parallel ausgerichtet sind. Die Weißschen Bezirke sind untereinander durch sogenannte Bloch-Wände getrennt. Die Bloch-Wände können sichtbar gemacht werden, indem eine Suspension mikroskopischer ferromagnetischer Partikel (z.B. Eisenstaub) auf das ferromagnetische Material gegeben wird. Der Staub (wie rechts angedeutet) sammelt sich dann entlang der Bereichsgrenzen verschiedener Weißscher Bezirke.
In einem solchen Modell können alle Kompassnadeln durch ein äußeres Magnetfeld ausgerichtet werden. Durch den Einfluss der Temperatur (Bewegung der Komßaßnadeln) oder mechanischen Einfluss von Außen (Schläge auf das Brett) passiert es, dass ganze Gruppen von Kompassnadeln ihre Ausrichtung simultan ändern. Dies geschieht durch die gegenseitige Wechselwirkung der Kompaßnadeln, wie auch bei Elektronenspins, oft sprunghaft für eine gesamte Gruppe.
Auch an Elektronenspins kann dieses sprunghafte Verhalten direkt beobachtet werden. Man spricht dabei von sogenannten Barkhausen-Sprüngen.
Die Veränderung der Ausrichtung eines ganzen Weißschen Bezirks (Barkhausen-Sprung) führt zu einer Magnetfeldänderung. Diese kann über einen Verstärker und einen Lautsprecher hörbar gemacht werden. Die Barkhausensprünge machen sich dann als kurzes "Knacken" im Lautsprecher bemerkbar.
Ebenso kann man die Bloch-Wände im Experiment sichtbar machen, indem eine Suspension mikroskopischer ferromagnetischer Partikel (z.B. Eisenstaub) auf das ferromagnetische Material gegeben wird. Der Staub sammelt sich dann entlang der Bereichsgrenzen verschiedener Weißscher Bezirke (siehe Abbildung). Dies kann unter dem Mikroskop direkt beobachtet werden.
Zunächst scheint es nicht verblüffend, dass benachbarte Elektronenspins wechselwirken und wie die Kompassnadeln Weißsche Bezirke bilden, denn die magnetischen Momente der Elektronenspins beeinflussen sich gegenseitig, und somit könnte man annehmen, dass das Magnetfeld eines Elektronenspins das Magnetfeld eines benachbarten Elektronenspins beeinflusst. So geschieht es im Modell der Kompassnadeln.
Es kann jedoch gezeigt werden, dass diese magnetische Kraft viel zu klein ist, um die starke Stabilisierung der Elektronenspins gegen die thermische Bewegung in Ferromagneten zu erklären. Stattdessen ist für die gegenseitige Wechselwirkung der Elektronenspins und für die Ausbildung von Weißschen Bezirken im Ferromagneten vor allem die Austauschwechselwirkung verantwortlich.

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